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Wohnwagen und Wohnmobil auswintern

Trotz ein paar Wetterkapriolen, die Deutschland in den letzten Wochen heimgesucht haben, ist der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Viele Camper warten schon ungeduldig auf die erste Reise und planen fleißig ihre Routen. Höchste Zeit also, den Wohnwagen oder das Wohnmobil auszuwintern und für die kommende Campingsaison vorzubereiten.

Wir geben Tipps, was zu tun ist und worauf man jetzt besonders achten sollte.

1.  RUNDUM-CHECK

 

Zunächst einmal sollten Sie Ihren Wohnwagen oder Ihr Wohnmobil von innen und außen unter die Lupe nehmen:

  • Gibt es feuchte oder schimmelige Stellen im oder am Fahrzeug?
  • Sind Luftdruck und Profil der Reifen ausreichend?
  • Weisen die Reifen Schäden durch längere Standzeiten auf?
  • Besitzt das Fahrzeug eine gültige TÜV-Plakette?
  • Ist die regelmäßige Gasprüfung wieder fällig?
  • Funktionieren Beleuchtung, Kühlschrank, Gasanlage, Heizung und Therme?
  • Lassen sich die Stützen problemlos aus- und wieder einfahren?
  • Müssen die Federsysteme überprüft werden?
  • Wann war die letzte Bremsenwartung?
  • Ist die Batterie voll?

Speziell beim Wohnwagen:

  • Greift die Handbremse?
  • Lässt sich das Zugrohr ein- und ausschieben?
  • Was sagen die Verschleißanzeigen des Antischlingersystems (AKS)? Müssen hier eventuell neue Reibbeläge eingesetzt werden?
  • Benötigt die AL-KO Drehstabfederachse eine Schmierung?

2.  WARTUNG UND PFLEGE

Bremsanlage

Auch wenn die Trommelbremse selbstnachstellend ist, muss die Bremsanlage dringend in regelmäßigen Abständen geprüft und gewartet werden. Im besten Fall, vor allem vor geplanten Passfahrten, sollten Sie das System auch unterjährig immer mal wieder gecheckt werden.

Nach den ersten gefahrenen 500 Kilometern oder nach sechs Monaten muss das Bremssystem geprüft und die Bremse ggf. nachgestellt werden (Erstinspektion). Im Anschluss ist – je nach Hersteller – alle 5.000 bis 10.000 Fahrkilometer oder alle zwölf Monate eine Kontrolle der Bremsanlage durchzuführen. Eine Wartung der Bremsen wird dann herstellerabhängig entweder alle 10.000 Kilometer oder nach zwei Jahren fällig. Abhängig sind die Inspektionsintervalle natürlich auch von der Intensität der Nutzung.

Die Durchführung der Wartung sollte unbedingt ein Fachmann übernehmen. Dieser prüft die komplette Bremsanlage – von der Kugelkupplung über die Auflaufeinrichtung und Bowdenzüge bis hin zu den Trommelbremsen und Belägen – auf Verschleiß und ihre Funktion. Bei der Kupplung selbst wird geprüft, ob das Zugmaul ausgeschlagen ist. Nietbolzen werden mit Sprühfett behandelt. Auch werden alle mechanischen Stellen der Verriegelung an der Anti-Schlingerkupplung AKS werden gereinigt und geschmiert. Wichtig: Die Reibbeläge der AKS dürfen nicht mit Fett oder Farbabrieb der Anhängevorrichtung verschmutzt sein. Auch die Auflaufeinrichtung samt Stoßdämpfer sowie die Handbremse inklusive Gasfeder müssen frei von Beschädigungen sein. Weitere Informationen dazu unter dem Punkt „Handbremse und Zugrohr“.

Als nächstes prüft der Fachmann die erste Umleitung, die freigängig und geschmiert sein muss. Und das sich anschließende Bremsgestänge darf nicht durchhängen. Sollte dies der Fall sein, ist der Anhänger fällig für den Service.  Für die zweite Umlenkung gilt dasselbe wie für die erste: sie muss freigängig und geschmiert sein. Wichtig ist hier auch, dass die Umlenkwippe frei von Korrosion ist.   Anschließend werden die Bremsseile/Bowdenzüge genauer betrachtet. Diese müssen unbedingt frei von Beschädigungen, Rissen und Korrosion sein und wie die beiden Seile freigängig laufend sein. Als letztes wird dann die Radbremse betrachtet und auf Lüftspiel sowie den Belagzustand überprüft.

Federsysteme

Federsysteme für das Wohnmobil sind in der Regel wartungsfrei. Entsprechende Hinweise dazu finden sich in der Bedienungsanleitung. Bei den Drehstabfederachsen von AL-KO ist darauf zu achten, welche Variante verbaut ist. Es gibt eine wartungsfreie und eine nicht wartungsfreie Version. Weitere Informationen dazu unter dem extra Punkt „Drehstabfederachsen“.

Hubstützen Wohnmobil


Bei der Pflege der Hubstützen wird zwischen hydraulischen und mechanischen Systemen unterschieden, welche dementsprechend auch nicht in derselben Art und Weise gewartet werden. Hinweise zur Wartung von hydraulischen Stützen sind in der Bedienungsanleitung aufgeführt, die Wartung selbst sollte dann eine Fachkraft übernehmen. Im Normalfall besteht die Wartung aus einer Sichtprüfung und einer Reinigung, gegebenenfalls kommt hier noch ein Wechsel des Hydrauliköls hinzu.

Die Pflege bzw. Wartung bei  mechanischen Systemen unterscheidet sich in den jeweiligen Modellen. Grundsätzlich gilt hier: die Lagerstellen und Umlenkpunkte müssen gereinigt und anschließend abgeschmiert werden. Ist allerdings die gesamte Stütze verschmutzt, muss diese auch komplett gereinigt werden. Für das Abschmieren eignet sich Sprühfett am besten.

Stützensystem Wohnwagen

Ein wenig Fett oder Öl kann wahre Wunder bewirken, falls sich die Stützen nur schwer ausfahren lassen oder Korrosion erkennbar ist. Grundsätzlich sollte die Spindel in regelmäßigen Abständen gereinigt und frisches Fett aufgetragen werden. Trockenschmierstoff auf Teflon-Basis eignet sich hier gut.

Wird die Stütze nicht bzw. nicht ausreichend geschmiert, kann das zu einem Bruch der Gleitschiene oder der Spindelmutter führen.

Handbremse und Zugrohr

Für die Überprüfung der Handbremse gibt es generell ein paar Orientierungshilfen. Der Hebel sollte bei 45 Grad stehen bleiben und nicht noch weiter anzuziehen sein. Ist die Rückmatik-Funktion aktiviert, liegt die Grenze bei 90 Grad. Für beide Zustände gilt: Werden die Winkel überschritten, unbedingt eine Servicewerkstatt aufsuchen!

Drehstabfederachse

Die Drehstabfederachse – sofern nicht die wartungsfreie Variante verbaut ist –  sollte alle 20.000 Kilometer oder mindestens alle 12 Monate geschmiert werden. Das Schmieren der Drehstabfederachse von AL-KO sollte der Profi des AL-KO Services übernehmen. Grund hierfür ist, dass die Anzahl der Hübe wie auch das von AL-KO freigegebene Fett klar definiert und vorgeschrieben sind. Diese Informationen sind nicht in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs zu finden.

Antischlingerkupplung und Kugelkopf am Zugfahrzeug

Besondere Pflege brauchen die Kugelkopfkupplung des Zugfahrzeugs und die Antischlingerkupplung AKS.
Hier gibt es zwei unterschiedliche Vorgehensweisen:

Kupplungen ohne AKS werden ganz normal gereinigt und geschmiert. Besitzen Sie einen Caravan mit AKS, darf die Kupplung am Zugfahrzeug nur gereinigt, nicht aber gefettet werden – andernfalls wird die Funktion der AKS beeinträchtigt! Am besten verwenden Sie hierfür feines Schleifpapier, bis alles wieder blitzt und blinkt. Bei neuen Anhängekupplungen muss der Lack vor der ersten Fahrt komplett entfernt werden, da er sich sonst auf den Reibbelägen festsetzt.

Sofern die Verschleißanzeige der AKS auf „grün“ steht, ist damit alles in Ordnung und die Reise kann losgehen. Steht die Anzeige auf „rot“ oder knarzt die AKS während der Fahrt, müssen die Anhängekupplung des Pkws, die AKS sowie auch die Reibbeläge der Antischlingerkupplung überprüft werden. Unter Umständen müssen die Reibbeläge ausgetauscht werden. Das können Sie entweder in der Fachwerkstatt machen lassen oder auch selbst erledigen: Die Ersatzteile bekommen Sie bei AL-KO oder im Campingfachhandel. Eine detaillierte Bedienungsanleitung liegt den Ersatzteilen bei.

Innenraum

Im zweiten Schritt bekommen nicht nur die Oberflächen und Stauräume, sondern auch die  Installationen wie Gasherd, Heizung, Toilettenkassette und Grauwassertank eine Grundreinigung verpasst. Die Frischwasseranlage sollte darüber hinaus sorgfältig desinfiziert werden, damit Algen und Keime keine Chance haben.

Außenhaut

Außen verleiht eine ausgiebige Wäsche an einem geeigneten Waschplatz oder einer Tankstelle dem Camper neuen Glanz. Am schnellsten und gründlichsten wird das Fahrzeug übrigens mit einer Hochdruck-Vorbehandlung und einer Bürste sauber. Wichtig ist hierbei allerdings, dass die Acrylfenster ausgespart und nur mit speziell dafür vorgesehenen Reinigungsmitteln und weichen Tüchern bearbeitet werden. Für hartnäckige Regenstreifen gibt es entsprechende Mittel, mit denen man den unschönen Verfärbungen zu Leibe rücken kann.

Weitere Schritte

Bei Wohnmobilen sollte die Batterie nachgeladen und bei Bedarf Motoröl, Scheibenreiniger und Kühlwasser nachgefüllt bzw. gewechselt werden. Außerdem ist es ratsam, Verschleißteile wie z.B. Scheibenwischerblätter, zu kontrollieren und ggf. auszutauschen.

Markisen und Vorzelte sollten einmal ausgepackt und mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Bei Schimmelschäden helfen Spezialreiniger weiter. Achtung: Bitte erst wieder verstauen, wenn die Stoffe gut getrocknet sind!

Schlösser und Scharniere sowie Stützrad und Kurbelstützen am Wohnwagen freuen sich über ein bisschen Sprühfett, damit im nächsten Urlaub garantiert nichts „hakt“ und knarzt.

Fahrzeuge, die auch im Winter bewegt wurden, benötigen zudem eine Unterbodenwäsche, um Chassis, Achse und Karosserie vom Salz zu befreien und so auch dauerhaft in einem guten Zustand zu erhalten.

3.  LETZTE VORBEREITUNGEN FÜR DIE REISE

Wenn alle Wartungs- und Reinigungsarbeiten abgeschlossen sind, kommt der angenehme Teil – das Vorbereiten des Campingfahrzeugs für den nächsten Urlaub.

Hier sollte zunächst einmal richtig gestöbert und aussortiert werden: Was kam in der letzten Saison nicht zum Einsatz? Welche Ausrüstungsgegenstände sind vielleicht defekt und müssen ausgetauscht werden? Welche schweren Teile lassen sich durch leichtere ersetzen? Fahren die Kinder noch mit in den Urlaub oder können zwei Campingstühle zuhause bleiben?

Direkt im Anschluss und mit hoffentlich etwas mehr freiem Stauraum darf dann endlich wieder eingeräumt werden. Falls die Grundausrüstung über den Winter „ausgelagert“ war, sollten Sie nachsehen, ob alles Wichtige wieder an Bord ist. Insbesondere Werkzeugkiste, Stromkabel und Adapter, Auffahrkeile, Wasserkanister, Gasflasche und natürlich Bettzeug sowie Geschirr dürfen auf keinen Fall fehlen!

(Was man sonst noch alles an Bord haben sollte, hat CamperStyle in der Checkliste „Erstausstattung“ zusammengefasst: http://de.camperstyle.net/checkliste-erstausstattung-fur-wohnwagen-reisemobile/)

Gute Reise und eine schöne Campingsaison 2019!

 

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1 Kommentar

  1. birch77

    Danke für die guten Tipps! Wir werden uns jetzt auch unseren ersten Wohnwagen kaufen und der muss natürlich über den Winter auch entsprechend untergebracht und versorgt werden.

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